Backhaus besucht Gemeindevertreter und Brandruine in Alt Tellin

Nr.121/2021  | 30.04.2021  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

Agrar- und Umweltminister Dr. Till Backhaus hat sich mit Gemeindevertretern in Alt Tellin getroffen, um sich mit ihnen über die Folgen der Brandkatastrophe in der Sauenzuchtanlage auszutauschen. Zuvor hatte der Minister die Brandruine besucht. Hier machte er sich ein Bild von den Aufräumarbeiten.

„Was ich zu sehen bekam, macht mich betroffen. Ich bin selbst Tierhalter und ich liebe meine Tiere. Welches Leid die armen Geschöpfe in Alt Tellin erfahren mussten, lässt sich kaum ermessen. Angesichts der Brandruine wird noch einmal plastisch, dass wir eine Tierhaltung in solchen Anlagen nicht verantworten können. Ich erwarte wie viele andere auch eine vollständige Aufklärung. Wie konnte es zu einem solchen Brand mit solch verheerenden Auswirkungen kommen? Ich habe den Innenminister gebeten, die Ermittlungskräfte zu verstärken. Doch vermutlich werden wir noch Monate auf die Ergebnisse warten müssen.

Ich bin aber auch erleichtert zu sehen, dass die tierischen Brandreste bereits abtransportiert und einer ordentlichen Versorgung zugeführt worden sind. Das hatte ich von dem Betreiber ausdrücklich gefordert und er ist dem auch nachgekommen. Dabei haben das StALU und das Landwirtschaftsministerium geholfen, Entsorgungswege zu finden für alles, was nicht in die Tierkörperbeseitigung gebracht werden konnte.

Was man auf jeden Fall schon jetzt nüchtern und objektiv feststellen muss: Das Brandschutzkonzept für diese Anlage – es umfasst übrigens 70 Seiten plus 150 Seiten Anhänge – muss in Frage gestellt werden. Daraus müssen wir Lehren ziehen. Ich habe die Landkreise aufgefordert, in ihrer Zuständigkeit Tierhaltungsanlagen auf den Brandschutz hin zu kontrollieren. Das Energie­ministerium habe ich gebeten, entsprechend der Landesbauordnung mitzuwirken. Dort heißt es: „§ 14 LBauO M-V – Brandschutz - Bauliche Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und in Stand zu halten, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind.“

Ferner habe ich angewiesen, dass Genehmigungen für Tierhaltungsanlagen nach dem Bundesimmissions­schutzgesetzt über meinen Tisch zu gehen haben.

Seit gut 20 Jahren fordere ich ein Prüf- und Zulassungs­verfahren für Tierhaltungsanlagen, quasi einen Tierstall-TÜV. Dabei ist das Wohlergehen jedes einzelnen Tieres sicherzustellen. Denn: Geht es dem Einzeltier gut, geht es der ganzen Herde gut. Im Falle einer Havarie müssen die Tiere in Sicherheit gebracht werden können. Leider sind diese Forderungen bisher auf taube Ohren gestoßen. Ich denke aber, dieser Brand läutet eine Zeitenwende ein.

Gewerbliche Anlagen dieser Dimension passen nicht in die Zeit und nicht in unser Land. Flächenbindung und Tierwohl stehen in engem Zusammenhang. Wenn wir die Tierhaltung verbessern wollen, müssen wir über Obergrenzen sprechen. Wir haben daher gemeinsam mit Brandenburg eine Bunderatsinitiative auf den Weg gebracht, die in der kommenden Woche zunächst das Kabinett und dann das Plenum in Berlin erreichen wird. Ich bin gespannt, wie die Reaktionen dort sein werden.

Schon wenige Tage nach dem Brand habe ich gesagt, die Anlage wird hier nicht wieder so wie zuvor errichtet werden können. Das sieht auch der Eigentümer so. Diese Art Tierhaltung passt nicht zu unseren Zielen, den Tourismus zu stärken, den Natur- und Artenschutz sowie sauberes Wasser zu fördern. Aber gleichzeitig brauchen wir eine Tierhaltung. Im Vergleich der Bundesländer hat Mecklenburg-Vorpommern eine der geringsten Tierdichten. Verbraucher, Umwelt- und Tierschützer verlangen zu Recht nach regionalen Produkten und kurzen Transportwegen. Und wir brauchen die Wertschöpfung und die Versorgungssicherheit im eigenen Land. Ich setze nach wie vor auf den Öko-Landbau. Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern inzwischen die 14-Prozent-Marke überschritten. Das macht mich zuversichtlich, denn die Nachfrage bei den Verbrauchern hält an und weitere Betriebe überlegen, umzustellen.

Denn, die Tierproduktion abzuschaffen ist keine Lösung. Das dürfte wohl den meisten Menschen klar sein. Aber über das „WIE“ müssen wir reden – auch in Alt Tellin. Die Ära Straathof ist vorbei. Das hat der Eigentümer der Anlage verstanden. Auch, dass hier nur eine ganz andere Form der Tierhaltung eine Zukunft hätte. Verbände, Bürger und Investoren verlangen gleichermaßen Rechtssicherheit und die steht auch jedem in einem Rechtsstaat zu. Ich biete an, zwischen den Vertretern der verschiedenen Interessengruppen zu moderieren, wenn es denn einen Neuanfang hier am Standort geben soll.“