Tierhaltung muss gesellschaftlich akzeptiert und wirtschaftlich leistbar sein

Nr.301/2019  | 28.11.2019  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

 

„Haltungsbedingungen von Tieren müssen gesellschaftlich akzeptiert und zugleich wirtschaftlich leistbar sein. Das macht eine Wertedebatte unumgänglich. Systematische Probleme dürfen nicht kaschiert werden, sondern müssen offen diskutiert werden“, betonte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus heute bei der Veranstaltungsreihe „Landwirtschaft im Dialog“ des Agrarfachmagazins top agrar unter dem Titel „Tierhalter im Tierschutzstress“ in den Räumlichkeiten der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern in Berlin.

„Wir haben in Deutschland im internationalen Vergleich bereits hohe Tierschutzstandards. Und es ist erklärtes Ziel der Bundesregierung, Spitzenreiter in Europa zu werden. Aber mit einer Politik, die die Tierhalter nicht mitnimmt, riskieren wir, dass die Nutztierhaltung in Länder mit niedrigeren Standards abwandert. Dann hätten wir gar nichts gewonnen – weder für das Tierwohl noch für die Betriebe in Deutschland“, sagte er weiter.

Insgesamt müsse man berücksichtigen, dass die Tierhaltung ein großes Wertschöpfungspotenzial hat. Politik sei gefordert, die nötigen Rahmenbedingungen zu setzen, dieses Potenzial auch unter geänderten gesellschaftlichen Verhältnissen nutzen zu können, sagte Backhaus. „Wir müssen einerseits zu einer umwelt- und klimaverträglichen sowie tierwohlgerechten Tierhaltung kommen – möglichst weltweit, aber zumindest in Europa“, sagte Backhaus. „Andererseits muss die Gesellschaft aber auch bereit sein, die Umweltleistungen der Landwirtschaft angemessen zu honorieren. Und damit meine ich nicht, dass wir nur den Mehraufwand ausgleichen. Der Landwirt muss auch zukünftig noch Geld verdienen können, um sich und seinen Angestellten ein auskömmliches Einkommen zu sichern. Genau das kann er aber im Moment in weiten Teilen nicht mehr.“ Das kennzeichne den Stress und die schlechte Stimmung der Tierhalter, was nicht nur aus den Forderungen des Tierschutzes resultiere.

Symptomatisch sei der Streit um ein Tierwohlkenn­zeichen. „Seine Einführung ist richtig und wichtig“, sagte Backhaus. „Ich würde sogar gerne noch einen Schritt weitergehen und ein verpflichtendes Label einführen.“ Seiner Beobachtung nach seien die Landwirte bereit, das zu erzeugen und anzubieten, was ihre Kunden erwarten und wünschen. Aber besondere Produkte hätten auch ihren besonderen Preis. Das müsse man verinnerlichen, wenn Forderungen nach mehr Tierschutz formuliert werden.

Zur Lösung dieses Konflikts bedürfe es erheblicher finanzieller Mittel. „Es muss entschieden werden, wie die höheren Kosten getragen werden und wie sich Staat/ Gesellschaft und Verbraucher daran beteiligen. Damit es schnell vorangeht, muss es zügig spürbare finanzielle Unterstützung für die notwendigen Investitionen geben. „Hier sehe ich den Staat in der Pflicht“, sagte Backhaus.