MeLa-Bauerntag: Backhaus fordert Umdenken für mehr Klimaschutz

Nr.236/2019  | 13.09.2019  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

 

Auf dem traditionellen MeLa-Bauerntag in Mühlengeez forderte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschafts­minister Dr. Till Backhaus ein radikales Umdenken in der Landwirtschaft, um den steigenden gesellschaftlichen Anforderungen an eine umwelt- und klimaschonende Produktion und mehr Tierwohl noch besser gerecht zu werden:

„Die Landwirtschaft ist der größte Wirtschaftszweig der Welt. Elf Prozent der Erdoberfläche sind landwirtschaftlich nutzbar; das sind etwa 5,6 Milliarden Hektar. Fast zwei Milliarden Menschen finanzieren mit der Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt. Daraus ergibt sich für die Branche eine enorme Verantwortung für den Schutz unseres Planeten. Es liegt in unserer Verantwortung, jetzt radikal umzudenken und umgehend zu handeln, damit unsere Kinder und Enkelkinder nicht mit noch viel drastischeren Folgen von Klimakrise, Ressourcen- und Artenverlust leben müssen“, betonte Backhaus. Dazu brauche es gezielte Förderung, faire Handelsbeziehungen sowie bewusst und nachhaltig agierende Verbraucher und Verbraucherinnen.

Gleichwohl warnte er vor einer Stigmatisierung der Branche: „Nichts ist so gut, dass man es nicht besser machen könnte. Und natürlich gibt es auch in der Landwirtschaft unausgeschöpfte Potenziale. In einer vernetzten Welt wie unsere, in der das eigene Handeln mitunter globale Auswirkungen haben kann, muss jedoch jeder seinen Beitrag leisten, um unsere natürlichen Lebensgrundlagen für nachkommende Generationen zu erhalten. Gegenseitige Schuldzuweisungen bringen uns nicht weiter. Was wir stattdessen brauchen, ist ein kooperatives Miteinander auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette und vor allem zwischen Landwirten und Umweltschützern.“

Dass bei den Landwirten in Mecklenburg-Vorpommern bereits ein Umdenken begonnen hat, zeigten die Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen (AUKM), die hierzulande mittlerweile auf 400.000 Hektar Ackerfläche umgesetzt würden. Dazu gehöre der Anbau vielfältiger Kulturen (141.000 ha), das Anlegen von Blühstreifen und -flächen (7.800 ha) oder aber die ökologische Bewirtschaftung auf mittlerweile rund 170.000 Hektar Ackerfläche. Damit gehört Mecklenburg-Vorpommern im Öko-Landbau weiterhin zu den Spitzenreitern in Deutschland. Für das Verpflichtungsjahr 2018 haben die hiesigen Landwirte rund 55 Millionen Euro Fördermittel für das Umsetzen von AUKM erhalten.

Unzufrieden zeigte sich der Minister nach wie vor mit dem Zustand der Gewässer im Land: „Wasser ist der Ursprung allen Lebens. Deshalb müssen wir alle Anstrengungen darauf ausrichten, diese Ressource zu schützen. Zwar sind unsere Gewässer dank umfassender Investitionen, beispielsweise in die Abwasserreinigung, in den vergangenen 30 Jahren für jedermann sichtbar sauberer geworden, leider fehlt es ihnen noch immer an natürlicher Struktur und gewässertypischen Lebensräumen, die für die Artenvielfalt unabdingbar sind.“ Auch die diffusen Einträge, vor allem aus der Landwirtschaft, seien ein Problem, vor dem niemand die Augen verschließen könne. So seien zwölf der 53 Grundwasserkörper in M-V erhöht nitratbelastet. Weitere Einschränkungen im Zuge der neuen Düngeverordnung seien deshalb unumgänglich. Dänemark, Polen und die Niederlande begrenzten die Düngung schon seit Jahren stärker als Deutschland.

Für den Einsatz von Pflanzenschutzmittel gelten Backhaus zufolge ähnliche Grundsätze: „Auch wenn man nach derzeitigem Wissen davon ausgeht, dass die zugelassenen Pflanzenschutzmittel Umwelt und Mensch nicht schaden, bleibt eine Restunsicherheit, die niemand ausräumen kann. Daher muss unser Ansatz sein: nur dann wenn nötig und immer so wenig wie möglich! Pflanzenschutzmittel dürfen nicht der Standard, sondern die Ultima Ratio sein.“ In 2017 waren in Deutschland über 800 Mittel zugelassen. Die Zahl eingesetzter Wirkstoffe in den zugelassenen Pflanzenschutzmitteln ist seit 2000 (276 Wirkstoffe) annähernd konstant geblieben.

Zentrale Voraussetzung, um das Umdenken in der Landbewirtschaftung weiter zu beschleunigen, sei die angemessene Honorierung von Umweltleistungen. „Der Erfolg unser Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen zeigt, dass die Landwirte verstanden haben, dass sich mit Umweltleistungen Geld verdienen lässt und wir mit sinnvollen Anreizsystemen etwas bewegen können“, sagte Backhaus. Um die Betriebe auf dem Weg hin zu mehr Umweltorientierung weiterhin fachgerecht beraten zu können, müsse die Forschung in klimarobuste Sorten, alternative Fruchtfolgen, boden- und nährstoffschonende Bewirtschaftungsverfahren und die Entwicklung neuer Düngetechnologien verstärkt werden.

Abschließend wagte Minister Backhaus den Ausblick auf eine klimaneutrale Landwirtschaft der Zukunft. Laut Weltklimarat IPCC gehen global betrachtet rund 30 Prozent der Klimagasemissionen auf das Konto der Landwirtschaft und der veränderter Landnutzung. Mit Verarbeitung, Transport, Kühlung, Erhitzung, Zubereitung und Entsorgung von Lebensmitteln hängen laut IPCC sogar 40 Prozent aller Emissionen davon ab, wie sich die Menschen ernähren und Landwirtschaft betreiben. Auf Deutschland bezogen seien es etwa 7 Prozent.

„Ich glaube schon, dass sich Landwirtschaft als Ganzes klimaneutral organisieren lässt, wenn es den Betrieben gelingt, sich an die neuen klimatischen Verhältnisse anzupassen, die Überproduktion von Lebensmitteln gestoppt wird und auch Konsumenten und Konsumentinnen darauf achten, dass weniger Lebensmittel in der Tonne landen“, so der Minister. Neben dem CO2-Einsparungspotzenzial besitze die Landwirtschaft zudem erhebliches Potenzial, um Kohlendioxid zu binden, zum Beispiel durch die Wiedervernässung von Mooren bei gleichzeitiger landwirtschaftlicher Nutzung (Paludikultur). Ziel müsse sein, Moore so zu bewirtschaften, dass der Torfkörper erhalten bleibt und die Treibhausgasemissionen gemindert werden.