Wiedervernässung des Polders Kieve übertrifft erwartete Klimaschutzeffekte

Nr.159/2019  | 25.06.2019  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

 

Die Klimaschutzeffekte durch die Wiedervernässung des Polders Kieve (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) übertreffen alle Erwartungen: „Unsere Abschätzungen zu Projektbeginn im Jahre 2011 gingen von einer Emissions­minderung von 14.325 Tonnen aus. Dementsprechend wurden 14.325 MoorFutures aufgelegt. Ein erstes Monitoring zeigte, dass die tatsächliche Emissionsminde­rung bei über 30.000 Tonnen liegen wird“, sagte Umwelt­minister Dr. Till Backhaus heute (25.06.) bei einer Begehung des Geländes gemeinsam mit dem Geschäfts­führer des Modeunternehmens Engbers, Bernd Bosch.

Das Unternehmen hatte sich im vergangenen Jahr durch Kauf von MoorFutures in einem Wert von 25.000 Euro an den Kosten der Wiedervernässung des 65 Hektar großen Areals beteiligt. Inzwischen wurden alle 14.325 Umwelt-Zertifikate an diesem Standort zu einem Einzelpreis von 35 Euro veräußert, sodass die in 2012 durchgeführte Wiedervernässung mit Kosten in Höhe von 500.000 Euro vollständig refinanziert werden konnte.

„Über das Engagement von Engbers freue ich mich außerordentlich. Denn Männermode und Moorschutz - das passt auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen“, betonte Backhaus. Umso bewundernswerter sei es, dass sich das Unternehmen dieser wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe stelle und damit einen wichtigen Beitrag für den Umwelt- und Klimaschutz leiste. Der Geschäftsführer Bosch ließ es sich deshalb auch nicht nehmen, mehrere Kunden des Modeunternehmens bei seinem Besuch des Polders mitzubringen: „Wir freuen uns über die mediale Aufmerksamkeit, die unser Moorschutzprojekt Dank der Firma Engbers gewinnt“, sagte der Minister.

Auch der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburgische Seenplatte, Bert Balke, war vor Ort. Denn die Wiedervernässung habe auch touristische Relevanz, so der Minister. Gespräche mit Anwohnern aus den umliegenden Dörfern im Sommer 2018 hätten gezeigt, dass die Auslastung der Fremdenzimmer zugenommen hat, weil insbesondere Ornithologen den Standort besuchen. Weitere Aktivitäten „rund um das Moor“, wie beispielsweise das Moortheater in der Region Kummerower See, würden dazu beitragen, die Moore schrittweise in das Tourismusangebot einzubinden.

Neben Engbers und zahlreichen Privatpersonen gebe es einen Branchenmix von Unternehmen, die zu dieser Erfolgsstory beigetragen haben, erläuterte Minister Backhaus. Beispiele seien die WEMAG AG (Energie­versorger), naturwind, die Commerzbank, VW-Leasing, Cassini (Unternehmensberatung), das Umwelt-
forschungs­zentrum Halle-Leipzig, die Hamburger Behörde für Umwelt und Energie, das Hotel Speicher am Ziegelsee Schwerin und viele andere.

„Jeder Investor ist ein wichtiger Multiplikator, wenn es darum geht, die Menschen für die Bedeutung unserer Moore und den Klimaschutz insgesamt zu sensibilisieren. Denn neben der Einnahme zusätzlicher Mittel für den Moorschutz ist es unser Ziel, möglichst vielen Menschen zu zeigen, dass intakte Moore relevante Leistungen für die Gesellschaft erbringen“, unterstrich Backhaus.

Nach Berechnungen der Universität Greifswald steigen jährlich etwa 6,2 Millionen Tonnen CO2 aus den zumeist degradierten Mooren in Mecklenburg-Vorpommern in die Luft. Damit sind sie die größten Treibhausgas-Emissions­quelle des Landes. Eine Wiedervernässung vermindert diese Emission.

Auf Vorwürfe von Kompensationsgegnern, Umweltzerti­fikate seien „moderner Ablasshandel“, reagierte der Minister gelassen: „Was hier entstanden ist, wäre ohne das Engagement der vielen Menschen und Unternehmen nicht möglich. Ich habe großen Respekt vor diesem freiwilligen Engagement. Der Klimaschutz und auch der Erhalt der Artenvielfalt stellen uns vor so große Herausforderungen – da ist jede Hilfe sehr willkommen.“