Röhrichtschutz „Schweriner Seen“

Die Ergebnisse einer Studie zur Entwicklung und zum Schutz von Röhrichten im Bereich des Schweriner Sees und des Ziegelaußensees werden der Öffentlichkeit auf der Homepage http://www.stalu-mv.de/wm/Themen/Naturschutz-und-Landschaftspflege/NATURA-2000/ zur Verfügung gestellt.

Nr.PM 21/18  | 15.11.2018  | StALU WM  | Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg

Diese Studie wurde im Zuge der Managementplanung für das Europäische Vogelschutzgebiet „Schweriner Seen“ erforderlich, da einerseits die Ursachen für den augenscheinlichen Rückgang der Röhrichte bisher nicht untersucht wurden und andererseits keine gezielten Maßnahmen zum Schutz oder Vermehrung der Röhrichte erarbeitet werden konnten.

Durch die nun vorliegende Studie, die von einem Planungsbüro aus Nortorf (Schleswig-Holstein) erstellt wurde, konnten wesentliche Wissenslücken geschlossen und konkrete Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen abgeleitet werden.

Die umfangreichen Untersuchungen stützen sich auf Luftbildauswertungen und Feldkartierungen, die ausgewertet und interpretiert wurden. Ein Großteil dieser Grundlagen wurde durch jeweils ein Gutachten im Auftrag der Landeshauptstadt Schwerin (für die Seen im Stadtgebiet) sowie des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND, Landesverband M-V) für den Schweriner Außensee zur Verfügung gestellt.

Durch das Planungsbüro wurden weiterhin Untersuchungen zum Verbiss durch Wild- und Haustiere, zum Boden sowie zur Bestimmung von Schadorganismen (sog. „Eipilze“) “) in Zusammenarbeit mit einem externen Phytopathologen durchgeführt.

Außerdem wurden eine umfangreiche Literaturrecherche betrieben und Expertenbefragungen durchgeführt.

Im Ergebnis der Studien ließ sich feststellen, dass der sehr starke Rückgang von Röhrichten zwischen 1950 und 1990 vermutlich vor allem auf Nährstoffeinträge (Eutrophierung) zurückzuführen ist. Weitere Rückgangsursachen, die sich heute stärker auf die Röhrichtzonen auswirken als die Eutrophierung der Gewässer, sind die Einstellung der Wasserstände und erhöhter Ufererosion, Verbiss durch Wildtiere wie Gänse oder Bisam, Ausbreitung von sogenannten „Eipilzen“, Beschattung und Gehölzausbreitung am Ufer sowie Freizeitnutzungen wie Bootsfahren in Ufernähe.

 

Das Planungsbüro hat 3 Maßnahmenkomplexe mit insgesamt 11 Maßnahmentypen entwickelt. Daraus wurden 10 Sofortmaßnahmen und weitere 20 konkrete Einzelmaßnahmen vorgeschlagen, um stark geschädigte Ufer- bzw. Röhrichtbereiche zu schützen und wieder als Wasserröhrichte zu entwickeln.

Die Maßnahmen bestehen teilweise aus Ufersicherungen wie Pfahlreihen oder Steinwalzen, kleinräumige Abzäunungen gegen Verbiss besonders gefährdeter Bereiche, Schilfpflanzungen, Erhalt von angrenzenden Landröhrichten und Rückschnitt beschattender Ufergehölze.

Die Umsetzung der Maßnahmen soll über Ausgleichsmaßnahmen und Förderprojekte sowie Freiwillige Vereinbarungen erfolgen.

Dazu bedarf es der Abstimmung mit allen betroffenen Behörden, den Eigentümern und Nutzern, u.a. Land- und Forstwirte, Jäger, Fischer und Angler, den Wassersportlern, wassertouristischen Unternehmen sowie den Naturschutzvereinigungen.

Das Planungsbüro hat zur Bündelung dieser Aufgaben die Einrichtung einer „Rangerstelle“ vorgeschlagen, wie dies z.B. in der Wismarbucht geschehen ist.

 

 

 

Hintergrund:

Wasserröhrichte (Schilfzonen) an Seeufern sind ein Biotop mit hoher ökologischer Bedeutung und ein wichtiger Lebensraum für viele Tierarten. So bieten sie u.a. Brutplätze für eine Vielzahl von Vogelarten wie Enten, Gänse, Taucher, Schwäne, Rallen, Reiher, Rohrsänger oder die Rohrweihe. Für einige dieser Arten wurden auch Europäische Vogelschutzgebiete wie die „Schweriner Seen“ ausgewiesen und entsprechende „Managementpläne“ zum Schutz der Arten erarbeitet.

Wasserröhrichte bieten auch vielen Fischarten und weiteren Wasserlebewesen Laich- und Nahrungsplätze sowie Rückzugsräume.

Zudem erbringen Wasserröhrichte eine Reihe von Ökosystemleistungen, von denen auch Menschen profitieren. Dazu gehören beispielsweise Regulierungsleistungen wie die Stabilisierung der Ufer und der Schutz vor Erosion durch die natürliche Wellenschutzfunktion der Röhrichte, Klimaschutz durch die langfristige Bindung von Kohlenstoff sowie die Verbesserung der Wasserqualität durch Filtration und Nährstoffregulierung. Auch kulturelle Leistungen werden von Röhrichten erbracht: Für viele Menschen erhöhen sie die Schönheit des Landschaftsbildes und tragen so zu Erholung, Freizeitnutzung und Tourismus bei, da sie einen charakteristischen und als idyllisch empfundenen Teil der Seen darstellen.

Röhrichte bestehen im Untersuchungsgebiet hauptsächlich aus Schilf (Phragmites australis). Daneben treten Rohrkolben (Typha spp.), Teichbinse (Scirpus lacustris) und weitere Arten wie die Schwanenblume (Butomus umbellatus) auf.

 

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind die Röhrichtbestände an vielen Seen in Deutschland und Mitteleuropa stark zurückgegangen.

Auch in den Seen der Landeshauptstadt Schwerin sind einst ausgedehnte Röhrichtgürtel teils stark gestört oder lokal fast vollständig verschwunden. Zahlreiche Studien zu verschiedenen Seen seit den 1970er Jahren beschäftigen sich mit diesem Phänomen, welches nur durch eine Vielzahl an häufig wechselseitig wirkenden Faktoren zu erklären ist. Besonders gut untersucht sind Seen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen sowie im Berliner Raum und der Alpenregion. In Mecklenburg-Vorpommern sind derartige Studien bisher nicht verfasst worden.