Alleenschutz: Jeder Baum ein Zugewinn für Klima, Mensch, Tiere und Pflanzen

Nr.302/2019  | 29.11.2019  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

 

Vor zehn Jahren übernahmen insgesamt 34 Schülerinnen und Schüler der Freien Schule Rügen in Dreschvitz die Patenschaft für eine Allee aus Linden- und Ahornbäumen in Klein Kubitz und damit Verantwortung für den Naturschutz und den Erhalt der Kulturlandschaft. Dieses Engagement würdigte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus heute bei einem kleinen Festakt vor Ort. Anlässlich des Jubiläums pflanzte er mit den Kindern zehn weitere Obstbäume, die vor allem Bienen Nahrung liefern sollen. Für die Kombination von Alleen- und Bienenschutz gab es 5.200 Euro aus dem Alleenfonds.

„Wer wie ihr Bäume seit 2009 pflanzt und regelmäßig pflegt, der lernt mit allen Sinnen einen Baum wahrzunehmen. Nur was man kennt, lernt man zu schätzen und zu schützen. Eure Eigeninitiative und Engagiertheit ist vorbildhaft und kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ich wünsche mir, dass viele Kinder und Jugendliche diesem Beispiel folgen. Und euch wünsche ich, dass ihr euch das Bewusstsein für die Umwelt, euer ganzes Leben hindurch bewahrt“, betonte der Minister.

Jeder Baum sei ein echter Zugewinn für das Klima, den Menschen, die Tiere und Pflanzen, sagte er weiter. Alleen reduzieren die Temperatur und die Hitze im Sommer um zwei bis drei Grad Celsius unter ihrem geschlossenen Laubdach. In Zeiten des Klimawandels sei dies besonders wichtig, weil sich somit weniger giftige Gase im Straßenraum bilden und Hitzeschäden an Stämmen reduziert werden.

Auch für die Luftqualität spielen Alleen eine wichtige Rolle. Ein Baum mit einer großen Krone nehme so viel Schadstoffe aus der Luft, wie 3.340 Marienkäfer wiegen, nämlich rund 170 Gramm, veranschaulichte Minister Backhaus. Alles in allem nehmen die insgesamt 5.000 km langen Alleen und einseitigen Baumreihen in M-V pro Jahr etwa 84 Tonnen Schadstoffe aus der Luft. Damit ersparten sie den Menschen mindestens 19 Millionen Euro an Arzt- und Krankenhauskosten.

In Alleen brüteten darüber hinaus mindestens 88 Vogelarten – das sind 31 Prozent aller in Deutschland vorkommenden Brutvogelarten, berichtete er. 2018 durchgeführte Baumgutachten in vier Alleen in Lübtheen offenbarten das Vorhandensein von 283 Käferarten – davon 40 Rote Liste-Arten und mehr als 100 im Holz lebende Arten. Vier davon seien sogar „Urwaldreliktarten“ gewesen. Ebenso vielfältig sei das Vorkommen an Farn- und Blütenpflanzenarten, wie die Studie einer städtischen Allee in Kiel zeigte. Damit seien Alleen in Ortschaften ökologisch mindestens ebenso wertvoll wie die besten Naturwälder Deutschlands.

Da es den Altbeständen im Land immer schlechter gehe – die insgesamt 184 älteren Bergahorn-Bäume – leiden zunehmend unter Trockenheit – sei es wichtig, dass Nachpflanzungen wie in Dreschvitz vorgenommen werden, unterstrich Minister Backhaus. 2019 seien für die Erhaltung geschädigter Bäume 19 Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 500.000 Euro bewilligt worden.

Im Alleenfonds liegen Mittel für die Neuanpflanzung und Pflege von Alleen an Bundes- und Landesstraßen, aber auch an kommunalen Straßen bereit. Von 1997 bis 2019 wurde über den Alleenfonds die Anpflanzung von ca. 160 km Baumreihe allein an kommunalen Straßen und ländlichen Wegen finanziert. Insgesamt beträgt der Zugewinn an allen Straßen und Wegen bis 2019 rund 565 km Baumreihe. Seit Bestehen des Alleenfonds (1994) wurden bis Oktober 2019 fast 13,4 Mio. Euro in den Alleenfonds eingezahlt. Rund 11 Mio. Euro wurden davon bislang ausgereicht.

Allein 350.000 Euro sind in den Erhalt der Alleen in Klein Kubitz und Lieschow geflossen.