Friedländer Große Wiese: Beirat soll alternative Nutzungskonzepte erarbeiten

Nr.298/2019  | 27.11.2019  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

Mit Sorge sieht Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus die Entwicklung der Friedländer Großen Wiese nahe Ferdinandshof südlich von Anklam. Einst gehörte das 10.000 Hektar große Areal zu den größten Niedermooren Deutschlands. Um sie landwirtschaftlich nutzen zu können, wird sie seit Jahrhunderten entwässert. Inzwischen hat sie ihre moortypischen Eigenschaften verloren und emittiert jährlich etwa 37 Tonnen pro Hektar klimaschädliches Kohlenstoffdioxid.

Bei einem Treffen mit Landwirten, Interessensvertretern und Verbänden im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern in Ueckermünde kündigte er heute an, einen Beirat einberufen zu wollen, in dem der Ist-Zustand des Areals mit allen Betroffenen analysiert und gemeinsam Lösungswege erarbeitet werden. Der Vorschlag stieß auf breite Zustimmung.

„Wir brauchen eine nachhaltige Landwirtschaft auf Moorböden, die die vielfältigen Ansprüche von Natur-, Boden- und insbesondere des Klimaschutzes berücksichtigt.“, so der Minister. Klar sei, dass eine landwirtschaftliche Nutzung, wie sie derzeit dort betrieben werde, keine Perspektive habe, so der Minister. Sie wirke sich derart nachteilig auf die Flächen aus, dass sich dort damit dauerhaft kein Geld verdienen lasse. Zudem würden Flora und Fauna in diesem besonderen Naturraum aufgrund des fortschreitenden Wassermangels, Moorsubstanzverlustes, der Bodendegradierung und übermäßiger Nährstoffeinträge stark beeinträchtigt. „Spätestens in 100 Jahren wird Landwirtschaft auf diesen Flächen in dieser Form nicht mehr möglich sein“, betonte er.

Von dem Treffen erhofft sich Minister Backhaus, Landwirte für alternative Nutzungskonzepte zu öffnen. Auch gehe es ihm darum zu erfahren, wo die Probleme sind und wo konkret Hilfe benötigt wird. „Es ist nicht mein Ansinnen, die Landwirte vor Ort anzuklagen. Ich weiß, dass sie einen guten Job machen und um ihre Existenz fürchten. Gleichwohl muss ich sagen, dass uns – anders als vor 50 Jahren – neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, die ein Umdenken zwingend erforderlich machen“, sagte Backhaus. Von den Landwirten wünsche er sich deshalb zunächst einmal Gesprächsbereitschaft und den Blick über den Tellerrand. Es gebe einfach Standorte, die für bestimmte intensive landwirtschaftliche Nutzungen, vor allem für den Ackerbau, nicht geeignet sind. Dazu gehörten eben auch Moorböden. Wer weitermache wie bisher, der entziehe sich selbst die Geschäftsgrundlage.

Derzeit bewirtschaften 40 Betriebe fast 8.000 Hektar Niedermoorflächen im Naturraum der Friedländer Großen Wiese. Deren Forderung, die Ackerflächen durch Zuschusswasser aus der Peene zu vitalisieren, sei wenig bis gar nicht erfolgsversprechend, sagte Backhaus. Selbst wenn eine Einigung über die Kosten erreicht würde, die mit der Inbetriebnahme zusätzlicher Pumpen verbunden sind, könnte nur etwa ein Viertel der Friedländer Große Wiese mit dieser Maßnahme bewässert werden.

Eine Alternative, wie man auf nassen Böden, erfolgreich Landwirtschaft kann, stellte Reetdachdecker Christoph Behrens aus Gnarrenburg (Landkreis Rotenburg/Niedersachsen) vor. Das für seine Arbeit benötigte Schilf baut er selbst auf Moorböden an. Im Winter wird es mit Spezialtechnik gemäht („geworben“).

Dass sich damit Geld verdienen lasse, zeige der enorme Bedarf an Rohr, meinte Backhaus. Das in Deutschland verwendete Rohr stamme nur zu ca. 15 Prozent aus einheimischen Beständen. Der vorhandene Bedarf werde durch Importe aus Süd- und Osteuropa, zum Beispiel Ungarn, Rumänien und der Ukraine sowie seit ca. 2005 auch aus China gedeckt. „Ein Markt der auch für Mecklenburg-Vorpommern interessant ist, da Rohrdächer hierzulande nicht nur in Küstennähe einen landschaftsprägenden Charakter haben“, betonte der Minister.

Die heutigen Rohrmahd-Flächen konzentrieren sich auf Vorpommerns Flusstalmoore (Peene, Recknitz), Bodden­bereiche (z.B. Ribnitzer See, Barther Bodden, Strelasund, Lieschower Wiek, Achterwasser) und Seeufer (z.B. Wre­echener See, Lobber See).

Das Land erwägt zudem ein Pilotprojekt unter Federführung des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern ins Leben zu rufen. Mit Mitteln aus der Naturschutzförderrichtlinie (Schwerpunkt: Moorschutz) soll die Bewirtschaftung auf einer Teilfläche der Friedländer Großen Wiese umgestellt und die soziökonomischen Auswirkungen begutachtet werden. Dies setze das Einverständnis der jeweiligen Flächeneigentümer bzw. –nutzer voraus. Honoriert werden könnte eine Kooperation mit einer Klimaschutzflächenprämie sowie passgenauer Beratungsangebote.