Waldbrand Lübtheen: Backhaus informiert über ökologische Schäden

Nr.230/2019  | 06.09.2019  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

 

Im Vorfeld der morgigen Dankesfeier für die Einsatzkräfte zur Bekämpfung des Brandes auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lübtheen spricht auch Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus noch einmal allen Einsatzkräften seinen ausdrücklichen Dank und seine größte Anerkennung für ihren aufopferungsvollen Einsatz aus. „Für mich zählt nach wie vor, dass es uns gelungen ist, das verheerende Feuer unter Kontrolle zu bringen und die Ortschaften vor den Flammen zu schützen, sodass am Ende kein Mensch zu Schaden gekommen ist. Ja, ihr seid Helden“, sagt der Minister.

Als Umwelt- und Forstminister gehe es ihm aber ebenso darum, die ökologischen Folgen des Brand­geschehens aufzuarbeiten und Schlussfolgerungen zu ziehen, um die Waldbrandgefahr und die Gefahren für die Menschen in den angrenzenden Ortschaften künftig einzudämmen, erklärte Backhaus.

Der Minister informierte, dass der Brand bei Lübtheen eine Fläche von rund 950 Hektar Wald erfasste. Betroffen gewesen seien vor allem hohe mittelalte und alte Kiefernbestände. „Da wir es überwiegend mit einem Bodenfeuer zu tun hatten, sind vor allem Wurzelbereich und Rinde in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Forstleute gehen deshalb davon aus, dass fast alle Bäume in den nächsten Jahren noch absterben werden“, prognostizierte Backhaus. Die Abwehrkräfte der Bäume seien so geschwächt, dass künftig zudem mit einen stärkeren Insektenbefall zu rechnen sei. Die Zerstörung des Bodenbewuchses habe außerdem die Wasserspeicherfähigkeit des Waldbodens verringert.

Die Flächen des ehemaligen Truppenübungsplatzes Lübtheener Heide sind vollständig als Nationales Naturerbe und in weiten Teilen auch als Kernzone des Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe MV ausgewiesen. Eine Wiederbewaldung erfolge deshalb überwiegend durch die natürliche Rückkehr der typischen Pflanzen-und Tierarten (Sukzession). Forstexperten gehen davon, dass sich der überwiegende Teil des betroffenen Gebietes innerhalb eines Jahrzehnts wieder regeneriert hat. Auf den Sandstandorten könne es allerdings auch Bereiche geben, die zunächst für einen längeren Zeitraum nur mit anspruchslosen Gräsern und Zwergsträuchern besiedelt werden.

„Klar ist, dass sich so ein Ereignis nicht noch einmal wiederholen darf“, sagt Backhaus abschließend. Bereits im März 2019 habe er ein Waldbrandschutzkonzept für die Lübtheener Heide vorgelegt, dieses müsse unverzüglich umgesetzt werden. Im Kern sieht es vor, Flächen in einem Radius von 1.000 Meter um die Dörfer von Munition zu befreien und mit feuerhemmenden Laubbäumen, wie Roteichen oder Buchen neu zu bewalden. Ergänzt werden sollen diese Maßnahmen durch Tiefbrunnen als Löschwasser­entnahmestellen und einen Waldbrandriegel an der auf dem Truppenübungs­platz befindlichen Ringstraße. So könnten Waldbrände aus dem Innenbereich des ehemaligen Truppenübungs­platzes bereits an der Ringstraße wirksam gestoppt werden.

Zudem habe das Brandgeschehen in Lübtheen einmal mehr deutlich gemacht, dass eine nationale Strategie der Brandvorsorge und -bekämpfung munitionsbelasteter Wälder erforderlich ist. Auf Initiative Mecklenburg-Vorpommerns wird sich deshalb die kommende Agrarministerkonferenz Ende September mit einen Antrag zum Thema Waldbrandbekämpfung in munitions­belasteten Wäldern befassen.

HINTERGRUND:

An der Bekämpfung des Waldbrandes in Lübtheen waren insgesamt rund 3.000 Personen beteiligt. Eingebunden waren neben Feuerwehrkräften aus MV, Brandenburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein auch Kräfte der Bundeswehr, Landes- und Bundespolizei, Technisches Hilfswerk, DRK, Munitionsbergungsdienst MV, Bundesforst, Landesforst MV sowie privater Organisationen und Unternehmen.

Der ehemalige Truppenübungsplatz Lübtheener Heide ist für die Öffentlichkeit weitgehend unzugänglich. Etwa 5.300 Hektar der ca. 6200 ha großen Bundesliegenschaft sind wegen der Einordnung in die Kampfmittelkategorie 4 seit 2016 durch die zuständigen Ordnungsämter gesperrt.