Königsstuhl: Backhaus stellt neues Zugangskonzept vor

Nr.10/2019  | 15.01.2019  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

 

Über dem Königsstuhlmassiv soll eine freischwebende Aussichtsplattform gebaut werden. Sie soll als Alternative zum vorhandenen Strandabstieg entstehen, der im Mai 2016 nach einer Hangrutschung durch eine herabstürzende Buche massiv beschädigt und daraufhin gesperrt worden war. So sieht es das zukünftige Zugangskonzept vor, über das Umweltminister Dr. Till Backhaus heute persönlich mit Vertretern der Bürgerinitiative „Rette Deine Insel“ im Rathaus Sassnitz auf Rügen sprach. Eine Wiedereröffnung der Treppe zum Strand, wie es die Bürgerinitiative fordert, schloss er aus, da sie die Anzahl der Strandbesucher und damit das Unfallrisiko deutlich erhöhen würde.

Seit 2006 hat der Geologische Dienst an der Steilküste von Jasmund rund 300 Rutschereignisse nachgewiesen. Seit 2007 registrierte die Freiwillige Feuerwehr Sassnitz in diesem Bereich 17 Unfälle, von denen vier sogar tödlich ausgingen. „Der Abstieg am Königsstuhl gehört damit zu den gefährlichsten Strandabschnitten der Insel Rügen. Trotz umfassender Warnhinweise verleitete er Menschen immer wieder zu Strandsparziergängen, deren Gefahren sie nicht abschätzen konnten. Das Land trägt hier eine Verantwortung, denn kein touristisches Erlebnis ist es wert, dass sich Menschen dafür in Lebensgefahr bringen“, betonte Backhaus.

Als Eigentümer von Kreidefelsen und Strand müssen das Land und das Nationalparkamt Vorpommern die Verkehrssicherungspflicht für Mensch und Sachwerte vor Ort garantieren, erläuterte der Minister. Diese sei im deutschen Recht so umfassend ausgestaltet, dass Eigentümer und Betreiber wegen der bekannten Gefährdungslage im Schadensfall trotz ordnungsgemäßer Sicherungs- und Instandhaltungsmaßnahmen haftbar gemacht werden können.

Für einen Neubau der Treppe müssten Steuermittel in Höhe von rund zwei Millionen Euro eingesetzt werden, so Backhaus. „Da der betroffene Hangbereich geologisch extrem instabil ist, wäre nicht gesichert, dass diese Mittel wirksam und langfristig nutzbringend eingesetzt wären“, sagte er weiter. Kein Unternehmen sei bisher im Hinblick auf den instabilen Baugrund am Kreidekliff bereit gewesen, die Standsicherheit eines neuen Abstieges zu gewährleisten.

Das zukünftige Zugangskonzept sieht laut Minister vor, den vorhandenen Zugang, ein mit Treppenstufen erschlossenes Hügelgrab, durch eine frei schwebende Plattform, die als gestreckter Rundweg über das Königsstuhlmassiv reicht und von einem Pylon und Seilen gehalten wird, zu ersetzen.

„Der Königsstuhl wird bei diesem Konzept nicht mehr direkt betreten, was verhindert, dass Besucher bei einem Küstenabbruch am Königsstuhl in die Tiefe gerissen werden. Auf diese Weise können die jährlich mehr als 300.000 Gäste die fantastische Aussicht auf die Kreideküste, Buchenwälder und Ostsee unbeschwert genießen“, ergänzte Backhaus. Der bestehende Weg soll zurückgebaut und die alte Aussichtsplattform renaturiert werden.

Das Projekt wurde bereits im September 2018 öffentlich vorgestellt.