Minister: Big Data in Landwirtschaft ganz klar ein Zukunftsmodell

Nr.176/2018  | 05.06.2018  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

Am 6. Juni haben das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf, die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei, die Humboldt-Universität zu Berlin und die Universität Rostock zum 7. Wilhelm-Stahl-Symposium in Dummerstorf eingeladen. Über 100 Wissenschaftler und Landwirte berieten die Fragestellung „Big Data im Stall – Zukunftsmodell oder Sackgasse?“.

„Big Data, also rasant wachsende Datenmengen, sind natürlich auch im Stall längst Realität“, sagte der Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Dr. Till Backhaus, zu Beginn des Fachsymposiums. „Selbstverständlich sehe ich auch die damit verbundenen Risiken. Aus meiner Sicht überwiegen aber ganz klar die Chancen für die Landwirtschaft und deshalb ist es für mich auch das einzig gangbare Zukunftsmodell.“

53 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland würden bereits digitale Lösungen nutzen. Aus den Kontakten mit Betriebsleitern hätte er den Eindruck gewonnen, dass der Nutzungsumfang digitaler Lösungen in Mecklenburg-Vorpommern auf Grund der Größe beispielsweise der modernen Michviehbetriebe noch weit höher sei. Hier würden schon heute beim Melken in großem Umfang Daten erfasst, die in die Zuchtwertschätzung einfließen und beim Herdenmanagement helfen.

In erster Linie gehe es den Betrieben darum, die klaren Vorteile der Digitalisierung zu nutzen. Dazu zählen insbesondere eine höhere Produktivität durch optimierte Haltungssysteme, eine Zeit- und Kostenersparnis und eine Verbesserung der Produktqualität. Aber auch eine körperliche Entlastung sowie die Schonung der Ressourcen, tierartgerechtere Haltung und geringere Umweltbelastung seien Effekte der Digitalisierung. Der Minister verwies darauf, dass bereits 2017 im Landwirtschaftsministerium eine Arbeitsgruppe „Digitalisierung“ gebildet worden sei. Daran sind auch Vertreter der LMS Agrarberatung, der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei sowie des Landesbauernverbandes beteiligt.

Damit Big Data im Stall tatsächlich zu einem Erfolgsmodell werde, käme es entscheidend auf die Rahmenbedingungen an. So müsste die digitale Infrastruktur massiv ausgebaut werden. Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns habe das Thema zur Chefsache gemacht. Insgesamt 1,5 Milliarden Euro aus Mitteln der EU, des Bundes und des Landes werden für die Digitalisierung im Land bereitgestellt. 1.3 Milliarden davon würden in den Ausbau eines schnellen Internets fließen.

Auch müsste der gesetzliche Datenschutz über personenbezogene Daten hinaus auf Betriebs-, Maschinen- und Geschäftsdaten ausgedehnt werden. Die Landwirte müssten die Hoheit über ihre Daten behalten können. „Wir wollen nicht den gläsernen Landwirt“, sagte der Minister.

„Nicht zuletzt können wir Digitalisierung auch dazu nutzen, um Landwirtschaft und Verbraucher näher zusammenzubringen. Transparenz der Produktionsverfahren und Rückverfolgbarkeit werden durch Digitalisierung vereinfacht. Das schafft Vertrauen und erhöht die Wertschätzung für die Landwirtschaft“, schloss Dr. Backhaus seine Rede.