Bienenweidekatalog und Wettbewerb bienenfreundliche Gemeinde kommen

Nr.074/2018  | 23.03.2018  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

Mecklenburg-Vorpommern wird dem Kabinett in den nächsten Wochen einen Bienenweidekatalog vorlegen. „Jeder einzelne von uns kann dazu beitragen, die Lebensbedingungen der Honigbiene und der wildlebenden Insekten zu verbessern – vom Landwirt bis zum Kleingärtner“, sagte Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus am Sonnabend (24. März) auf einem Arbeitstreffen der ersten Vorsitzenden der Imkervereine M-V mit dem Vorstand des Landes-Imkerverbandes e.V in Sukow-Levitzow. Der Bieneweidekatalog solle Anregungen geben, die Nahrungsgrundlagen der Honigbienen wie der wildlebenden Insekten zu sichern und sie vor chemischen und mechanischen Beeinträchtigungen zu schützen.

Hintergrund ist der dramatische Rückgang wildlebender Insekten in den zurückliegenden Jahren. Die Zahl der Honigbienenvölker im Land hat sich dagegen erfreulicherweise stabilisiert. Derzeit halten die etwa 2.500 Berufs-, Nebenerwerbs- und Hobby-Imker im Land etwa 25.00 Bienenvölker. Jährlich ernten sie etwa 700 Tonnen Honig. Allerdings lasse sich der Wert der Bienenvölker nicht allein an der Honigleistung bemessen. „Unsere heimische Flora ist zu etwa 80 Prozent auf die Insektenbestäubung angewiesen. Drei Viertel dieser Leistung übernimmt die Honigbiene“, so Minister Backhaus. Durch diese Bestäuberleistung betrage der wirtschaftliche Wert der Honigbiene mindestens das zehn- bis Fünfzehnfache des Honigertrages. „In Deutschland sind das jährlich mehr als 2 Millionen Euro“, überschlug der Minister. Weltweit schätzen Experten den von Bienenvölkern erbrachten wirtschaftlichen Wert auf mehr als 15 Milliarden Dollar bzw. 11,5 Milliarden Euro. „Das zeugt davon, das die Honigbienen ebenso wie Wildbienen und Wildinsekten ein unverzichtbarer Teil des funktionierenden Ökosystems sind“, sagte er weiter. Der Bienenweidekatalog zeige vielfältige Möglichkeiten zum Schutz der Bestäuber auf, sagte der Minister.

Knapp 80 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Mecklenburg-Vorpommern sind Ackerfläche. Möglich seien hier neben Ansaaten von Blühmischungen und dem Anbau von Hauptfrüchten mit Blühangebot auch blühender Zwischenfruchtanbau und Untersaaten sowie Ackerschutzstreifen, bei denen auf den Pflanzenschutzmitteln verzichtet werde.

Auf den verbleibenden, als Dauergründland genutzten 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche könne das Blühangebot etwa durch gestaffelte Mahd und Verzicht auf Nachmahd, durch insektenschonende Mähwerke oder das Mähen und Mulchen bei geringer Flugaktivität, etwa bei Bewölkung oder kühlem Wetter, verbessert werden.

Ähnliches gelte für die öffentlichen Flächen, auf denen überdies auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verzichtet werden solle. „Die Devise muss sein: So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich“, so der Minister, der den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht grundsätzlich ablehnt.

Zahlreiche weitere Maßnahmen und Initiativen seien bereits jetzt auf den Erhalt der Insektenvielfalt ausgerichtet, etwa der Streuobstgenussschein und das Streuobstnetzwerk Mecklenburg-Vorpommern, die Bienenstraßen für den Naturpark Sternberger Seenland, die Bienenlehrpfade im Freilicht-Museum Schwerin-Mueß und vor dem Sitz des Landwirtschaftsministeriums oder die Wildbienenkartierungen im Sternberger Seenland.

„Kernanliegen dieser Projekte ist es, die Bedeutung des Imkers und der Blütenbestäuber für Natur und Landschaft hervorzuheben“, sagte Minister Backhaus. Das Land fördert die Imkerei mit jährlich knapp 370.000 Euro.

Aktuell plane er das Ausloben eines Wettbewerbs „Bienenfreundliche Gemeinde“.

Auf dem Arbeitstreffen der Imker stellte Minister Backhaus außerdem seine Vorschläge für die Gemeinsame europäische Agrarpolitik nach 2010 vor. Kernanliegen seines Modells sei es, künftig Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen deutlich höher zu vergüten als bisher. Dafür werde das Honorar für ökologische Leistungen – sie umfassen die bisherigen Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen und den ökologischen Landbau – um 15 bis 30 Prozent gegenüber dem jetzigen Niveau angehoben.