Backhaus: Imker und Bienen seit 2005 mit 10 Millionen Euro gefördert

Nr.362/2017  | 10.11.2017  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

Vor dem Hintergrund des dramatischen Insektenschwunds in Deutschland fordert Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus wachsende Sensibilität für die Honigbiene und die verstärkte Zusammenarbeit von Landwirten und Imkern des Landes. Jeder Imker müsse örtliche Landwirte über den Standort seiner Bienenvölker informieren, und der Landwirt solle nötige Pflanzenschutzmaßnahmen außerhalb der Bienenflugzeit ergreifen. „Sowohl der Schutz der Bienen, als auch die Ertrags- und Qualitätssicherung der Kulturen sind wichtig“, stellte der Minister auf der 29. Vertreterversammlung des Landesverbandes der Imker MV am Sonnabend in Güstrow klar.

Backhaus, der für 2018 das Ausrufen eines Wettbewerbs zur „Bienenfreundlichsten Gemeinde“ plant, unterstrich die ökologische Bedeutung der Biene. Wichtiger als die Erzeugung von Honig sei ihr Einsatz als Bestäuber der Nutz- und Wildpflanzen. „Unsere heimische Flora ist zu rund 80 Prozent auf Insektenbestäubung angewiesen, mehr als drei Viertel der Bestäuber sind Bienen.“ Den Bienen fehle es nach der Obst- und Rapsblüte vor allem im Spätsommer an Nahrungsquellen. Zudem würden Bienen durch den Anbau blühender Zwischenfrüchte wie Senf irritiert, dessen Honig sich nicht für die Überwinterung im Bienenstock eigne, sagte Backhaus.

Zudem setze Bienenvölkern neben Viren und Varroa-Milben auch der Einsatz von Bioziden aus dem Haus- und Kleingartenbereich zu. Dabei handelt es sich etwa um Mittel gegen Ameisen oder Blattläuse. Allein im Jahr 2016 war in 16 Fällen der Einsatz von Bioziden für Schäden an Bienenvölkern verantwortlich. Zwischen 2010 und 2015 waren Biozide jährlich in je zwei Fällen als Ursache für Bienenschäden ausfindig gemacht worden, nur einmal sei in diesem Zeitraum ein Insektizid die Ursache für das Sterben von Bienen gewesen.

Till Backhaus verwies auf verschiedene Förderprogramme des Landes zum Anbau bienenfreundlicher Pflanzen vom Frühjahr bis zum Herbst. „Nahezu alle Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen zielen auf die Verbesserung des Nahrungsangebotes für Bienen und die Steigerung der biologischen Vielfalt ab“, erklärte er. Diese Programme würden gut angenommen und inzwischen auf 320.00 Hektar, also einem Drittel der gesamten Ackerfläche im Land, umgesetzt. Beispielsweise wird das Anlegen von Blühstreifen und Blühflächen für Bienen und andere Insekten auf bisher 2.200 Hektar Fläche gefördert. Durch die so genannte Omnibus-Verordnung der EU-Kommission werden ab 2018 die ökologischen Vorrangflächen erweitert. Damit wird künftig der Anbau bienenfreundlicher Pflanzen auf Schilf- oder Brachlandflächen aus EU-Mitteln gefördert.

Backhaus hob die Förderungen des Landwirtschaftsministeriums in Höhe von jährlich 176.000 Euro für Imkerschulungen, Medikamente für Bienenvölker, Bienenzuchtprogramme, Honiganalysen und Bienenlehr- und Schaugärten hervor. Für das Bienenzuchtzentrum Bantin stellt das Landwirtschaftsministerium seit 1993 jährlich 200.000 Euro bereit, insgesamt flossen bisher 3,5 Millionen Euro nach Bantin. Ende vergangenen Jahres nahm der Bienengesundheitsdienst der Tierseuchenkasse seinen Dienst auf; im Seuchenfall werden Bienenhalter zu 80 Prozent aus Landesmitteln entschädigt. „In den vergangenen zwölf Jahren wurden zur Unterstützung der Bienen insgesamt rund 10 Millionen Euro Fördergelder ausgezahlt“, unterstrich Backhaus. Er würdigte überdies das Ehrenamt zahlreicher Freizeit-Imker. Der Anteil der Jung- und Neu-Imker wachse jährlich und liege derzeit bei 1.652 Bienenhaltern mit 17.285 Völkern. Insgesamt sind im Land 2.500 Imker tätig, die mehr als 25.000 Bienenvölker halten.

 

HINTERGRUND:

 

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Jede Biene fliegt täglich bis zu 30 Mal aus und besucht je Flug 200 bis 300 Blüten. Um einen Liter Nektar für 500 Gramm Honig zu sammeln, sind etwa 40.000 Blütenbesuche nötig. Statistisch gesehen legt eine einzelne Biene für diese Nektarmenge eine Flugstrecke von 120.000 Kilometern zurück – mit einem Flugtempo von 20 Kilometern pro Stunde. Das Sammelgebiet eines Bienenvolkes erstreckt sich auf etwa 50 Quadratkilometer.